24/7 Intime – geht das überhaupt?

„LARP mit“ war DIE Parole die dieses Jahr an alle Festrollen und NSCs durch die Orga des Conquest of Mythodea ausgegeben wurde. Kurz zusammen gefasst ist es der Versuch die unschönen Outtime Blasen (auch bekannt als plötzliche Realitätseinbrüche in die Spielwelt) so klein wie möglich zu halten. Idealerweise ist man also 24 Stunden am Tag in der Rolle die man verkörpert. Wer die etwas längere Version lesen möchte schaue hier in den Conquest Blog. Für einige Wesenheiten ist dieses 24h Konzept nicht umsetzbar, weil es den Spieler hinter der Rolle an seine Grenzen bringt: klobige Kostüme lassen sich nicht die ganze Zeit tragen, hohe Wesen haben oft Dinge in die Beschreibung geschrieben bekommen wie : hat keine irdischen Bedürfnisse -> kein Hunger und Durst, keine Müdigkeit, keine platten Füße. Kann man also vergessen. Es zerstört die Illusion nachhaltig, wenn der mächtige Kriegsgott mit der weißen Rolle in der Hand zusammen mit allen anderen in der Schlange vor dem Klo steht (auch wenn jeder auf dem Platz WEISS, dass dieses Ereignis früher oder später statt finden MUSS). Dieser NSC geht also ohne Kostüm das machen was jeder andere auch machen muss. Aber was ist mit den Rollen, die wie alle anderen leben können? Essen, schlafen und schei… müssen? Lässt sich das durchhalten? Ich habe es ausprobiert.

 Schritt 1 – In Rolle essen (holen)

Es dauert ewig mit dem blinden Seher über die Wiese zu wackeln mit dem Korb unterm Arm um für 4 Leute Essen aus der Tross Taverne zu holen, aber es geht. Also es dauert deswegen ewig, weil man dauernd anhalten muss um mit Leuten zu spielen. Die dann aber auch anständig genug sind meinen Korb zu schleppen. Ein wirklich lohnendes Erlebnis. Allerdings habe ich das nur einmal gemacht, da man dann einfach zu lange am eigentlichen Einsatzort fehlt und das Essen gerade auf dem Rückweg eine 100% Chance hat nicht mehr warm zu sein.

Das essen in Rolle selber war übrigens gar kein Problem und wurde von allen NSCs an unserem APL (Außen Plot Location  – fragt bitte nicht wer auf diesen Denglischen Namen kam … ich werde ab sofort das Wort Plotplätzchen verwenden) praktiziert und von den Spielern auch nicht als störend empfunden, da alle NSCs als Edalphi essen mussten, warum nicht das ins Spiel einbinden? Es wurde von den Spielern sogar aktiv aufgegriffen und wir wurden mit Zwergenbrot bedroht. Von dem Zeug hatte man stundenlang was, da es mit Mohn gefüllt war und man noch ziemlich lange ein „Mohngesicht“ machen konnte (um den Mohn aus den Zähnen zu bekommen).

Schritt 2 – In Rolle schlafen, sitzen, meditieren

Für die meisten an unserem Plotplätzchen nicht machbar, da die Figuren jung und dynamisch waren. Für mich als alten Mann eine tolle Gelegenheit für Rollenspiel. Mitten im Gespräch einschlafen? Warum nicht … mal schauen, wann der SC merkt, dass ich nicht mehr antworte :). Fairer weise muss man dazu sagen, dass meine Rolle geschlafen hat, ich aber wach geblieben bin, um auf das Spiel des Spielers reagieren zu können. Die Augenbinde, die das Regelwerk für blinde Charaktere vorschreibt hilft dabei ungemein, da ein großer Teil der Gesichtsmimik abgefangen wird.

In Rolle auf meinem Feldbett liegen und wirklich schlafen habe ich aber nicht gemacht, da ich wirklich froh war abends die Perücke wieder abnehmen zu können.

Sitzen und Meditieren waren wiederum kein Problem, da die Spieler voll akzeptierten, dass ein normaler Edalphi auch mal sitzen muss und sich über schmerzende Füße beklagt. Alles kein Problem. Meditieren war ein zentraler Bestandteil der Rollenbeschreibung. Spieler die sich vorsichtig an einen ran schleichen (um nicht zu stören) und dann direkt neben einem halblaut flüsternd beraten ob sie einen nun ansprechen können scheinen so was anzuziehen :). Also auch kein Problem. Damit wären also 3/4 des Intime Tage geschafft. Bleibt noch …

Schritt 3 – persönliche Hygiene

Der lange MarschDer alte MannEigentlich sollte es niemanden überraschen, dass stoffwechselnde Wesen Abfälle produzieren und wenn sie Kleidung tragen auch mal schwitzen und danach sich waschen wollen. Trotzdem – in vollem Ornat auf die Toilette habe ich nur einmal gemacht. Nicht weil mich die Gespräche in der Warteschlange gestört hätten. Nein ich erkläre erstaunten Spielern gerne, dass was oben rein geht (was ja kein Problem im Spiel war) auch wieder raus muss, das Problem war das Kostüm selber: Gewand, Überwurf, Tasche und Stab in Kombination mit Augenbinde und Langhaarperücke in die Toilettenkabine zwängen, alles hoch raffen und zurecht rückeln … das nervt und zwar OT! Da bin ich an meine persönliche Schmerzgrenze gekommen. Ja klar, es geht aber es ist nicht schön. Lieber lege ich Stab, Tasche und Altersgebrechen ab und husche mal eben an den Ort wo man sehr alleine ist oder unter die Dusche und alles ist gut, ich bin entspannt und die Spieler haben mich schnell wieder.

24/7 intime – ein schöner Gedanke, aber für mich hat die Spielwelt definitiv Grenzen, die am Zaun der Waschcontainer und meinem Feldbett beginnen. Soviel OT muss dann doch sein. Man kann es den anderen auch einfach machen zu erkennen wann man OT unterwegs ist – wenn das was man trägt ganz klar nach „Ich bin auf dem langen Marsch“ ausschaut, wird man auf wundersame weise vom Rest der Spielwelt nicht mehr wahr genommen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich diese Tunika als defacto Standard für Duschgänge durchgesetzt hat. Wer so ein Ding trägt wird nicht mehr wahrgenommen. Ist natürlich blöd, wenn man sich für dieses Kleidungsstück als Teil des eigenen Kostüms entschieden hat … mhhh oder auch nicht, wenn man einen Ninja spielt … [Tunika +4 on Stealth].