Ein Jahr im Leben eines Conquest Plot NSC

Die Großcon Saison ist, zumindest für mich, dieses Jahr wieder geschafft und allmählich lichten sich die Berge mit LARPausrüstung in der Wohnung. Kisten wandern sortiert zurück in den Keller und die Regale, Kostüme gewaschen zurück in ihre Kleidersäcke. Bilder werden gesammelt und gespeichert und die letzten blauen Flecken und Abschürfungen verschwinden. Das aktuelle Conquest verblasst langsam im Alltag, nicht nur bei mir sondern wahrscheinlich bei allen 7500 Beteiligten. Wo jedoch die Helden der Geschichte sich rüsten um in neue Abenteuer aufzubrechen, ist meine Geschichte beendet. Denn ich war als Festrolle auf dem Conquest, als NSC geführt von 2 Spielleitern und versehen mit einem Haltbarkeitsdatum: Samstagabend. Das mache ich nun schon fast 10 Jahre und muss sagen: es ist schön. Ab uns an gibt es ein Wiedersehen mit alten Rollen, oft ist aber auch klar, dass es ein einmaliger Auftritt wird. Was mache ich also den Rest des Jahres, wenn Spieler mit ihren Charakteren über die Siedler Con tingeln oder zum Konzil der Elemente (JdS) fahren? 

September: Nichts. – Bis Mitte September liegt das Conquestteam auf Eis. Es wird ein Sabbatmonat verordnet, an den sich erstaunlicherweise die meisten halten. Ausglühen, runterkommen, Distanz schaffen. Das klingt auf den ersten Blick seltsam, aber wenn man 5 Tage zentral mit Eindrücken und Ereignissen überschüttet wurde braucht es die Zeit und die Distanz, bevor man sich halbwegs objektiv mit der Veranstaltung auseinander setzten kann. Ich gönne meinen SLs diese Pause auf jeden Fall, schließlich mussten sie 5 Tage lang mein Spiel ausbaden.

Oktober: Debriefing. – Das Team aus NSCs und Spielleitern versucht einen gemeinsamen Termin zu finden um über die vergangene Veranstaltung zu sprechen. Was war gut, was war nicht so gut. Haben wir das was wir machen wollten geschafft? Konnten wir die Spieler begeistern und in der Welt abholen, oder haben wir mehrere tausend Spieler vor den Kopf gestoßen (das kann übrigens auch gewollt sein 😉 )?

Gleichzeitig beginnen irgendwo in Regensburg die Mindmaps fürs nächste Jahr an zu blühen. Nicht meine Baustelle (Gott sei dank).

November: Die Ruhe vor dem Sturm. Als NSC hat man keine großen Aufgaben außer schonmal auf die Kollegen einzuwirken, dass man Ende Juli/Anfang August freibekommt. Texte lesen, Bilder anschauen und mit Freunden über das Hobby reden …

Dezember: Siehe November, nur dass das Wetter schlechter wird und man keine Ausreden mehr braucht um auf dem Sofa mit einer Tasse Tee rumzugammeln.

Januar: E-Mails vom Team. Anfang Januar treiben die ersten Spielleiter ihre NSCs aus dem Winterquatier an die Anmeldebögen. Für die großen Festrollen ist dann schon klar ob sie dieses Jahr wieder auftreten werden (Avatare, zentrale Festrollen wie Windbringer oder Gaheris) oder ob es was neues geben wird.

Februar: Gegencheck: Termin Conquest zu Urlaubskalender. Passt das? Zusagen und Wünsche äußern was man spielen möchte, erste Ideen abgreifen und Andeutungen der SL interpretieren. Der Plot steht zu diesem Zeitpunkt schon zu 70% (wenn man den Andeutungen glauben darf). Die meiste Plot Spielleiter wissen schon ungefähr was sie brauchen, die Andeutungen werden konkreter.

März: Ich melde mich dann endlich mal offiziell an und überweise meinen Teilnehmerbeitrag. Ja auch NSCs müssen für das Conquest bezahlen, allerdings liegt der Preis deutlich unter dem der Spieler und der Tribes. Mit etwas Glück kann man seiner Lieblings SL eine Vor-Vor-Vor-Version des Plots aus den Rippen leiern. Wie viel es davon dann tatsächlich auf die Veranstaltung schafft ist fraglich. Die Quote der letzten Jahre war allerdings immer schon recht gut. Meistens werden einzelne Plotstränge einfach gestrichen, weil es für 4 Tage zu viel wird.

April: Telefonate mit den Spielleitern, erstellen erster Kostümideen falls erforderlich, der Plot wird angesprochen, es wird geklärt wie die Charaktere die wir darstellen sollen angelegt sind. Was sind ihre Motivationen, wie werden sie reagieren. Meistens hat man hier recht viel Freiheit bzw. Mitspracherecht, denn etwas zu verkörpern was man nicht kann oder will liefert meistens kein gutes Ergebnis.

Mai: Es gibt die erste offizielle Plotvorversion. Die meisten Dinge sind nun fest und die Geschichte an der man mitwirken wird steht. Man trifft die anderen Mitspieler per Skype und Teamspeak und bespricht die aktuell verfügbare Plotversion. Wie ist was zu verstehen, was machen wir wenn folgendes eintritt? Sind noch Unstimmigkeiten im Plot oder machen wir was was gegen die bisherige Geschichte stehen würde (gerade magische Waffen sind hier gerne mal ein Problem). Was kann/muss noch für den Plotort organisiert werden? Bekommen wir alles was wir gerne hätten von der Orga, oder müssen wir noch selber was organisieren?

Juni: es wird ernst. Man stöbert über die Stoffmärkte und sucht sich die Requisiten zusammen, die man seinem Charakter mitgeben möchte. Gemäß dem Motto „Ich bin das Ambiente der anderen“ haben zumindest meine Chars immer auch Zeug dabei, von dem ich genau weiß, dass es der Plot nicht erfordert es dabei zu haben, es aber cool ist es aus der Tasche ziehen zu können um die Spieler damit zu bespaßen. Es werden die letzten Entwürfe für das Kostüm gemacht (und dabei die ersten Ideen fast immer komplett über den Haufen geworfen).

Juli: 2 Wochen nichts (kann man ja noch später machen, lass uns lieber in den Park gehen und die Sonne genießen. Letzte und vorletzte Woche vor dem Conquest: OH – MEIN – GOTT. Das Kostüm muss noch gemacht werden, die Requisiten sind noch nicht komplett, die Ausrüstung muss gesichtet werden, wo ist unser Zelt, habe ich den Plot schon ausgedruckt, muss ich nicht noch was auswendig lernen? Gut, dass ich noch eine Woche Urlaub habe bevor es losgeht. Irgendwie glaube ich, dass es nicht anders wäre, würde ich als Spieler hinfahren. Ich arbeite unter Druck einfach am besten. Und: nach zwei bis drei Nachtschichten ist dann das meiste fertig. Und da wir ja schon am Montag losfahren und die Spieler erst am Mittwoch kommen kann man das eine oder andere Detail ja auch noch vor Ort machen*hust*. Ich sollte daran denken, das eine gerade Naht, die mit der Maschine 15 Sekunden dauert bei meinen Handnähkünsten ein Nachmittag füllendes Unterfangen ist. Aber ich habe es ja so gewollt.

Wenn man es genau betrachtet findet meine persönliche Vorbereitung irgendwie in den zwei Wochen vor dem CoM statt. Jedesmal. Und jedesmal schwöre ich mir, dass ich das nie wieder mache. Ich habe ja schließlich ab Mitte April genug Informationen um loslegen zu können. Und trotzdem wird es doch wieder Mitte Juli bevor es richtig los geht. Aber ich finde Trost in der Vermutung, dass ich nicht der Einzige bin dem es so geht. Hoffentlich.