Wie viel Spaß darf’s sein?

Manchmal sind die Wege wie ich zu meinen Themen komme doch eher absurd. Die Teilzeithelden veröffentlichen einen wirklich guten Beitrag zum Thema „Alkoholkonsum im LARP„. Eine der Thesen ist, dass Spieler trinken (und das schon Tagsüber) weil sie sich langweilen. Und sie langweilen sich, weil sie nicht in der Lage sind ohne zutun der Orga Rollenspiel zu betreiben.

 Vor allem geht es hier um das Selbst­ver­ständ­nis und Kon­sum­ver­hal­ten. Wenn Spie­ler sich nicht selbst unter­hal­ten kön­nen läuft eini­ges falsch. Spie­ler sol­len sich nicht nur als Kon­su­men­ten der Orga ver­ste­hen, son­dern auch mer­ken, dass sie selbst Ver­ant­wor­tung für ihre Unter­hal­tung und die der ande­ren Mit­spie­ler tra­gen. So müs­sen und sol­len sie auch selbst aktiv wer­den und sich Beschäf­ti­gun­gen und Auf­ga­ben suchen, wenn ihnen gerade kein Plot für die Füße fällt.

Der Artikel wurde bei Facebook beworben und erntete allerlei Kommentare, das Thema scheint also einen Nerv getroffen zu haben. Unter anderem fand sich dort auch folgender Kommentar:

Das eigentlich traurige an der ganzen Entwicklung ist das es Nachts kaum noch irgendwelche Aktionen gibt weil eh alle davon ausgehen das die Hälfte der Leute besoffen und damit unbespielbar ist. Und Leute wie Ich die dauernüchtern sind und ganz gerne Nachts mal bespaßt werden haben dann das nachsehen.

Wer meine direkte Antwort zu diesem Spielerkommentar lesen will kann ja mal bei FB suchen gehen. Als Plot NSC der ich nun schon einige Jahre auf dem Conquest bin, gilt für mich und die allermeisten der anderen NSCs dort der Grundsatz: Ich bin das Ambiente der Anderen. Prinzipiell gilt das aber auch für alle anderen Spieler. Warum sonst sollten sich sonst Spieler durch die alkoholschwangeren Out-time (OT) Blasen der Trinker gestört fühlen?

Da der Kommentar in der Conquestgruppe bei FB geschrieben wurde beziehen sich meine Ausführungen vor allem, aber natürlich nicht nur, auf des Conquest und seinen Mikrokosmos. Dass man als Spieler eine gewisse Konsumhaltung einnimmt, wenn man für 4 Tage LARP den stolzen Spielerpreis des Conquest bezahlt hat kann ich bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. Daraus aber einen 24/4 Bespaßungsanspruch abzuleiten halte ich für fatal. Für mich besteht Rollenspiel und LARP im Besonderen darin meine Rolle zu erleben. Wenn sich das mit dem Plot verbinden lässt: großartig. Wenn die SL auf meine Rolle eingeht und mir meinen ganz persönlichen Plotmoment schreibt: unbezahlbar. Aber ganz im Ernst? Das geht nur auf einem kleinen Con bei dem man der Orga vorher seinen Charakter und dessen Geschichte geschickt hat. Mit diesem Anspruch an personalisierter Geschichte sollte man nicht auf einen Großcon fahren. Wer das trotzdem macht ist entweder sehr wichtig für die erzählte Geschichte (und das sind nur eine wirklich kleine Zahl von Spielern) oder wird bitter enttäuscht.

Kann ich meine Rolle auch ohne NSCs und SL erleben? Natürlich geht das. Man muss sich nur fragen was würde mein Charakter um 1 Uhr morgens in der Stadt machen? Begleitschutz anbieten für ein paar späte Zechgäste? Vielleicht auf eben jene Gäste warten, um die Notwendigkeit von Begleitschutz zu verdeutlichen? Verlangen die Ordensregeln meines Mondkultes vielleicht, dass ich lautstark aus dem heiligen Buch des Lambartengo zitiere? Und was passiert, wenn der grobschlächtige Zwerg aus dem Zelt nebenan nun der Meinung ist, 1 Uhr wäre eine prima Zeit für Nachtruhe? – huch es entsteht … Rollenspiel.

Wenn ich wirklich mit der Welt und Rolle verschmelze und den Anspruch habe 24/7 intime zu sein, ergibt sich das Problem der fehlenden Bespaßung nicht, denn alle und jeder tragen dazu bei, dass ich meine Rolle spielen kann. Dann werden auch Aktivitäten wie Essen kochen und essen zu Rollenspiel. Wer seinen Spaß aber nur aus der Interaktion mit NSCs zieht sollte bitte folgendes bedenken:

Dass die NSCs ab 00 Uhr ihre Präsenz auf dem CoM zurückfahren hat ein paar sehr einfache Gründe:

  • Für große Schlachten ist es dann zu dunkel und die ersten Jahre des CoM haben gezeigt, dass das Verletzungsrisiko auf den unebenen Wiesen einfach zu hoch ist (Ja, in den ersten Jahren gab es Nachtschlachten).
  • Für viele Spieler bricht mit Einbruch der Dunkelheit eine Phase an, in der das Rollenspiel im Lager fortgeführt wird und man sich dort mit den anderen Helden und Schurken beschäftigt. Weniger Nachfrage an den Orten wo die Geschichte erzählt wird heißt auch weniger NSCs, die vor Ort sein müssen um die Spieler zu beschäftigen (Angebot und Nachfrage).
  • Auch NSCs sind „nur“ Menschen. Die meisten haben um Mitternacht bereits 16 Stunden Spiel hinter sich und an vielen Plotplätzchen noch 2 – 3 Stunden vor sich (ja, das sind 18 – 19 Stunden pro Tag). Ergo: irgendwann müssen auch die mal schlafen.

Es gibt also ziemlich viele gute Gründe, warum Nachts weniger geplante Bespaßung stattfindet als Tagsüber, und keiner davon hängt mit dem Konsum von Alkohol zusammen. Und trotzdem bin ich mir sicher, dass Spieler, die um 4 Uhr morgens an einen Plotort kommen dort mindestens einen motivierten NSC treffen werden, der ihnen ihr Spiel ermöglicht.

Beim LARPen steht leider (oder Gottseidank ?) der gezahlte Eintritt in keinem direkten Verhältnis zur Menge an Rollenspiel und Plot die man bekommt. Dafür ist man in erster Linie komplett selber verantwortlich.